„Self-Tracking“ oder „The Quantified Self“ – was trackt ihr so?

Vor einer Weile habe ich damit angefangen meinen Alltag zu tracken. Hierzu verwende ich eine Kombination aus verschiedenen Apps und Gadgets. Zum einen mein Nike Fuel Band, Moves, die Nike Running App usw.  Das ganze hat natürlich auch schon einen tollen Namen: „Self-Tracking“ oder „The Quantified Self„. Nun ist es Zeit für ein kleines Resümee, warum das alles Sinn für mich macht und was ich davon habe. Mich würde interessieren ob es unter euch auch einige gibt, die ihren Alltag so oder so ähnlich tracken…

Nike Fuel Band

Zu einem festen Bestandteil meines Alltags ist mein Nike Fuel Band geworden. Es zählt meine Schritte, rechnet daraus meinen Kalorienverbrauch (durch Bewegung) aber für mich viel interessanter, es gibt mir meine Leistung in Fuel Points aus. Dies ist eine Nike eigene Maßeinheit… Ansich sagen einem die Daten alleine erstmal gar nichts. Nach einer Weile aber, kann man aufgrund von Erfahrungswerten sagen, ob es ein eher aktiver oder ruhiger Tag war. Ein normaler Bürotag ohne Abendprogramm sind bei mir ca. 2000 Fuel Points. Gehe ich Abends noch klettern, lande ich meist so bei ca. 3200 bis 3800 Points. Beim Joggen lande ich nach einem Bürotag ebenfalls so bei 3600 bis 3800 Points, an einem ansonsten ruhigen Tag wie Wochenends z.B. wiederum nur bei 2800. Im (Aktiv)Urlaub oder bei Städtereisen oder Wander- Kletterausflügen, sprenge ich alle Rekorde und komme auch gut und gerne mal auf über 6000 Fuel Points.

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Im Grunde ist nur die Relation wichtig und eigentlich sind die Werte nicht mit denen anderer Personen, mit anderen Tagesabläufen vergleichbar. Was das Fuel Band bei mir aber bewirkt hat, dass ich den Ehrgeiz habe, am Ball zu bleiben und Sport zu machen. Ich habe mein Leben lang einen riesen Bogen um Sport gemacht. Und auf einmal bin ich angefixt und das finde ich gut.

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Moves

Moves_1Moves ist eine iPhone App, welche im Hintergrund über den kompletten Tag anhand von GPS Daten den Bewegungssensoren des iPhones ein Bewegungsprofil erstellt. Es speichert nicht nur die Orte und Dauer an denen man verweilt, auch die Bewegungsdaten dazwischen. Ob man gelaufen ist, Rad gefahren, gerannt oder eben ein anderes Transportmittel benutzt hat.

Moves_3Was mir das bringt? – Ich finde es sehr interessant mal „schwarz auf weiß“ zu sehen, wie lange so manch ein Weg denn eigentlich dauert, wo ich mich den Tag über eigentlich aufgehalten habe und wie lange. Ihr würdet euch wundern wie sehr man sich da verschätzt bzw. wie schnell man eigentlich vergisst wo man überall war.

Macht man das dann eine Weile lang, kann man auch sehr gut nachträglich schauen was an einem bestimmten Tag denn eigentlich war. Und so entsteht mit der Zeit ein lückenloses Logbuch des eigenen Alltags. Kombiniert mit den Daten des Fuel Bands ergeben sich da ungeahnte Erkenntnisse.

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Dazu muss man sagen, Moves frisst sicher einiges mehr an Akkuleistung, der Mehrwert der gewonnen Daten wiegt das für mich aber wieder auf. Es gab schon viele Apps, welche ähnliches versucht haben mit einem leicht anderen Konzept, so gabe es Path oder foursquare, welche im Grunde auch ein Bewegungsprofil erzeugen. Hier muss man allerdings aktiv werden um sich an Orten einzuloggen… das frisst Zeit und man vergisst es häufig. Moves macht dies voll automatisch und ohne Zutun des Users. Zudem sind die Daten nicht öffentlich, sondern nur für einen selbst bestimmt.

Sonstiges

Gehe ich Joggen, tracke ich den Lauf mit der Nike Running App. Zum einen, um bei einem Anbieter zu bleiben (Nike Fuel Band) und zum anderen bietet die App wirklich alles was ich brauche und ist zu dem kostenlos. Ich habe mir natürlich auch die so verbreitete Runntastic App angeschaut. Abgesehen davon das sie ums Verrecken nicht korrekt funktionieren wollte, fand ich sie überladen, unübersichtlich und wenig(er) motivierend.

Bin ich im Urlaub oder in anderen Städten, logge ich mich hier und da via Facebook ein oder geotagge das ein oder andere Bild um auch hier eine Übersicht zu bekommen, wo ich schon überall war. Leider ist dies nicht lückenlos möglich und daher versuche ich hier und da die Orte auch nachträglich in meinem Profil zu ergänzen.

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Bei Wanderungen, Klettersteigen oder Ähnlichem nutze ich außerdem noch die App von OutdoorActive und  nutze deren GPS-Logger Funktion um am ende eine fertige Route mit Höhenprofil, POIs und Bildern zu haben, welche ich anschließend teilen und weiter versenden kann.

Bei Fototouren würde ich es begrüßen, wenn jede Kamera standardmäßig GPS implementiert hätte. Denn GPS-Daten in Bildern sind wirklich kostbar und erleichtern das filtern ungemein. Das Tracken und anschließende synchronisieren der Daten in die Metadaten der Bilder am Rechner, ist mir hier bislang allerdings viel viel zu umständlich, warum ich dieses Thema nach wenigen Versuchen direkt wieder aufgegeben habe.

Nutzen

Warum ich das alles mache? Weil ich es unfassbar aufschlussreich finde und weil es mich motiviert! Es setzt mich in keinster Weise negativ unter Druck und es frisst in oben genannter Kombination keinerlei nennenswerte Zeit. Auf Dauer habe ich so einen schönen Datenbestand, aus dem ich viel ablesen kann wenn ich möchte. Wertvoll werden die Daten sicher erst auf längere Dauer, wenn man damit mal wirklich in die „Vergangenheit reisen“ möchte!

Anhand der Daten bekomme ich ein bewussteres Gefühl für meinen Alltag. Ich habe mich schon oft gewundert wie falsch ich mit meinen Einschätzungen lag und so manch einen Ort hätte ich nicht wieder gefunden, bzw mich nicht daran erinnert, dort gewesen zu sein. Oft habe ich gewisse Sachen nicht gemacht, weil ich dachte viel länger dafür zu brauchen. Da ich nun weiß wie viel Zeit ich für gewisse Sachen und Wege brauche, bekomme ich oft auch mehr davon in meinem Alltag integriert. Hier hat mich mein Gefühl oft getäuscht. In Hinsicht auf Sport, ist es schlichtweg die Motivation die aus dem Tracking entsteht!

Ich bin natürlich ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Apps und Gadgets die mir entweder noch mehr abnehmen, mich noch besser Motivieren oder noch mehr Daten sammeln. Meine Anforderung ist allerdings immer, dass ich damit keine kostbare Zeit verschwenden möchte und möglichst wenig selber machen muss.

Und ihr so?

Ich kann schon die kritischen Stimmen hören, dass ich mich dadurch absolut gläsern mache. Das es doch krank ist seinen Tag lückenlos zu protokollieren, das müsse doch belastend sein etc. Natürlich könnt ihr mir das hier an dieser Stelle auch sehr gerne um die Ohren hauen. Mich würde aber auch interessieren ob ihr auch auf irgendeine Weise Dinge in eurem Alltag trackt und mit welchen Mitteln ihr das macht? Ich weiß z.B. das es bei Android Phones auch einen google Service gibt, der es möglich macht ein Bewegungsprofil aufzuzeichnen…

12 Gedanken zu „„Self-Tracking“ oder „The Quantified Self“ – was trackt ihr so?

  1. Ich benutze im Alltag auch Moves.. hauptsächlich hab ich damit angefangen, weil es mich interessiert hat, wieviele km ich während eines Arbeitstages so durch eigentlich kurze Wege zurücklege.. sehr aufschlussreich :D. Fürs Laufen hatte ich auch erst Nike+, bin dann aber auf runtastic pro umgestiegen.. ich glaube das ist einfach Geschmacksache.

    Du treibst es aber echt auf die Spitze mit den ganzen verschiedenen Trackings ;D

  2. Wenn, dann lieber richtig 😉 Heisst: Beim Sport wird ein Garmin Forerunner 305 zum Joggen und Edge 800 beim Radfahren mitgenommen. Die ermittelten Werte sind viel genauer (GPS etc.) und werden im Anschluss in Sporttracks zum Vergleich mit vorherigen Einheiten archiviert.
    Ein Nike-Armband o.ae. ist eine nette Spielerei, aber z.B. beim Radfahren funktioniert’s garnicht gut (vllt. wenn man’s um’s Bein wickelt ;))

    Betr. GPS Infos fuer Fotos lohnt ein Blick hierauf: http://gps4cam.com
    Prinzip: Mit dem iPhone GPS-Infos aufnehmen und mit der DSLR Fotos machen. Nach der Fotosession zeigt die iPhone App einen QR-Code, der mit der DSLR Cam abfotografiert wird. Darin sind dann alle notwendigen Infos codiert, die die PC oder Mac-App benoetigt um den per iPhone aufgenommen GPS-Track den Fotos automatisiert zuordnen zu können. Klasse Idee und gute Umsetzung, die fuer ein paar Cent den wesentlich teureren Hardware-GPS-Logger ersetzt.

    • Das Fuel Band kann man beim Radfahren tatsächlich am Schuh befestigen und die Werte sollen wohl ganz gut stimmen.
      Klar nicht mit GPS tracking vergleichbar, aber es geht! 😉

      Der Tipp mit GPS4Cam sieht interessant aus. Danke dafür, schaue ich mir mal an!

  3. Tom, ich fühle mit dir… Zu unseren guten alten Titan-Zeiten war Sport unvorstellbar. Im Frühjahr hast du mich mit dem FuelBand angefixt und nun kann ich einfach nicht mehr stillstehen: Seit über 100 Tagen mehr als 2000 Fuel pro Tag, davor nur eine Lücke aufgrund von Krankheit, im Schnitt 3400 und du bist an allem Schuld 😉
    Die Konsequenz aus all dem Bewegungsdrang: Ich hab das Laufen angefangen. Getrackt wird hier mit Runtastic pro. Das nutze ich schon ein paar Jahre fürs Snowboarden und bin sehr zufrieden damit.

    Dazu noch Move ist mir persönlich zu viel des Guten… schon deshalb, weil bei mir der iPhone-Akku nicht den kompletten Tag durchhält. Ich musste schon vor dem Laufen eine Zwangspause auf dem Sofa einlegen, damit das Telefon genug Energie hat, mit mir mitzuhalten 😀

    • Made my day… ja, damals war das alles noch undenkbar. Da muss man erst so „alt“ werden um zum Sport zu finden. 😛
      Freut mich, dann kannste ja voll nachvollziehen wie es mir geht.

      Mein Akku muss ich auch einmal unterm Tag nachladen… ich glaub da macht Moves auch nichts mehr fett.

  4. Interessanter Bericht. Besonders in den Zeiten, in denen jeder doch eigentlich gar nichts über sich im Internet sehen möchte, dann aber doch komplette Bewegungsprofile speichert… (Hinweis: Allgemeine Aussage meiner Meinung, nicht auf den Bericht bezogen).

    Ich finde Deine Einstellung hierzu aber mehr als Interessant. Seit Deinem Bericht über das Fuelband wollte ich es mir schon mehrmals bestellen, aber bei meinem Büroalltag macht das nicht viel Sinn… Auch finde ich das Tracken eines kompletten Arbeitstages für mich aktuell nicht sinnvoll.

    Meine sportlichen Aktivitäten beschränken sich auf Radfahren/Mountainbiken oder sehr selten mal Joggen gehen. Hierzu habe ich vor einigen Wochen mit Endomondo angefangen. So richtig Informiert habe ich mich davor nicht. Aber die iPhone-App hat spontan zugesagt. Da meine Bekannten meine Unsportlichkeit der letzten Jahren kennen habe ich diese „zum Angeben“ ;o) auf FB verknüpft.
    Generell habe ich dies aber auch mit dem Gedanken gemacht, zu beobachten, wie schnell ich meine Aktivitäten (gefahrene km) steigere, ausweite, …

    Für die Fotografie habe ich zwei „Hilfsmittel“ im iPhone:
    Sehr selten nutze ich einen GPS-Tracker den ich ab und zu mal mitlaufen lasse. Demnächst aber wohl endgültig löschen werde. Bisher habe ich ein zu gutes Gedächtnis und eine für mich geeignete Speicherlogik.
    Das zweite Mittelchen ist schlichtweg die Kamera-App mit Ortung. Ich habe festgestellt dass ich an fast jedem „Ausflugsziel“ ein Bild für Instagram o.ä. mit dem iPhone mache. Also habe ich dort die Ortung eingeschaltet.
    Ansonsten hat es mich bisher in der Fotografie noch nicht zu weiteren Trackingmaßnahmen bewogen…

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